ABC der Hypnose – „VAKOG“, die 5 Sinne

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In der Hypnose gibt es zahlreiche Begriffe, die viele Menschen gar nicht verstehen, weil sie nicht professionell mit der Hypnose arbeiten oder anderweitig damit zu tun haben – wie zum Beispiel „VAKOG“. Wikipedia ist natürlich eine Möglichkeit, sich zu informieren oder jedes andere Lexikon. Überhaupt bietet das Internet ja zahlreiche Möglichkeiten, sich zu informieren.

Ich habe Lust, für die Menschen, die zu mir kommen, die Begriffe auf meine Art und Weise zu erklären.

Dabei erhebe ich nicht den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit oder gar Vollständigkeit. Von Zeit zu Zeit erweitere ich die Liste von Begriffen und beschreibe, wie sie mir in meinem Arbeitsalltag begegnen. Ich hoffe, damit Neugierige abzuholen und Wissbegierigen einen Startpunkt für die Auseinandersetzung mit der Hypnose zu bieten.

Auf geht’s also in  die vierte Runde des ABC der Hypnose – meinem persönlichen Lexikon für Sie!

Heute  mit dem Begriff „VAKOG

VAKOG ist eigentlich eine Abkürzung aus dem NLP (Neurolinguistisches Programmieren) und bezeichnet die 5 Sinne – VISUELL (Sehen), AUDITIV (Hören), KINÄSTHETISCH (Fühlen), OLFAKTORISCH (Riechen), GUSTATORISCH (Schmecken).

All unser Handeln wird durch unsere Sinne verursacht.

Am Anfang steht immer ein Sinneseindruck. Ich lese zum Beispiel das Plakat für ein Konzert (visuell), rufe dann bei der Konzertkasse an, um Karten zu bestellen (auditiv), und dann gehe ich zum Konzert (kinästhetisch) und genieße die Musik (auditiv).

Der visuelle Eindruck ist in diesem Fall also der erste Ausgangspunkt einer Kette von Wirkungen. Das Lesen des Plakats veranlasst mich, etwas zu tun. Dazwischen passiert in unserem Unbewussten ganz viel!

Wir nehmen etwas wahr über einen bzw. mehrere Sinnes-Kanäle. Dabei sind wir ständig Billionen von Sinneseindrücken ausgesetzt und sortieren laufend aus! Ganz unbewusst geschieht das. Und das ist gut so! Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden alle Geräusche, alle Farben um sie herum, jede Berührung mit der Kleidung oder das Sitzen auf einem Stuhl, den Geschmack im Mund, die Gerüche in der Umgebung laufend komplett bewusst wahrnehmen…vermutlich wären wir handlungsunfähig vor lauter Eindrücken. Es fällt uns ja manchmal schon schwer, uns auf einen einzigen Sinneseindruck zu konzentrieren.

Jeder sortiert also laufend aus und daher nimmt jeder die „Realität“ auch komplett anders wahr.

Beim Aussortieren spielen unsere Erfahrungen, die wir im Leben gemacht haben, eine große Rolle. Es ist zum Beispiel einfacher, Verhaltens-Mustern zu folgen, als immer wieder neu zu agieren. Wir konditionieren uns selbst dafür, und das ist praktisch, schon allein weil es uns Zeit spart. So bleiben wir zum Beispiel an der roten Ampel stehen (ohne bewusst darüber nachzudenken) – der visuelle Eindruck (rote Ampel) wird sofort abgeglichen mit unseren Erfahrungen (in dem Fall, dass wir gelernt haben, bei Rot stehen zu bleiben) und daraus entsteht dann die Handlung: stehenbleiben.

Genauso spielt eine Rolle, wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Kennen Sie das Phänomen, dass Schwangere nur noch andere Schwangere sehen? Dass wir uns ein großes rotes Auto kaufen wollen – und überall sehen wir nur noch große rote Autos? 

Wie intelligent unser Unbewusstes doch alles für uns sortiert, was an Sinneseindrücken so „reinkommt“.

Genauso ist es mit unseren Gefühlen. Und da werden die 5 Sinne im Kontext der Hypnose richtig interessant!

Nehmen wir einmal an, wir begegnen einer Person, die wir nicht kennen. Blitzschnell erfassen wir die Person mit unseren 5 Sinnen – visuell (wie groß, wie gekleidet, welche Haarfarbe, dick, dünn, Falten, lachend, weinend…), auditiv (wie ist die Stimme), kinästhetisch (wie ist der Händedruck), olfaktorisch (wie riecht diese Person).

Blitzschnell werden die Sinneseindrücke abgeglichen mit Erfahrungen, Erinnerungen, früheren Sinneseindrücken, Handlungen,  die wir in unserem Leben gemacht haben. Vielleicht erinnert uns die Person ganz unbewusst an jemanden, den wir im Kindergarten gemocht haben, weil diese Person genauso riecht. Vielleicht lächelt die Person wie die Oma des besten Schulfreunds und ruft unwillkürlich Erinnerungen an deren Weihnachtskekse auf… Wir müssen uns gar nicht bewusst erinnern – ganz unbewusst und unwillkürlich wird in uns bei der Begegnung mit der fremden Person das gleiche Gefühl abgerufen, das wir damals hatten. Und vielleicht finden wir die Person deshalb spontan sympathisch.

Es kann aber auch sein, dass wir einmal eine schlechte Erfahrung gemacht haben und – ganz unbewusst und unwillkürlich – Gefühle abgerufen werden wie Angst oder Traurigkeit. 

So kann der kinästhetische Eindruck bei einer Achterbahnfahrt – die schnelle Bewegung von oben nach unten verbunden mit einem Luftzug, vielleicht ein Kribbeln im Bauch – die Erinnerung an herrliche Rutschbahn-Fahrten in der Kindheit wachrufen. Ein anderer ruft unbewusst die Sinneseindrücke wieder auf, die er beim Herzinfarkt hatte…schnelles Fallen von oben nach unten, ein Kribbeln im Bauch…

Die 5 Sinne – VAKOG – sind also der Beginn auch unserer Gefühlsketten. Durch unbewussten Abgleich und Bewertung der Sinne entstehen unterschiedliche Gefühle.

In der Hypnose können wir an den Bewertungen der Sinneseindrücke arbeiten. Wir können das, indem wir uns den Sinnen über das Gefühl annähern und Dinge verändern. Wir beleuchten die Situation von allen Seiten – wie fühlt sich das an, das heißt: was siehst Du in dieser Situation, was hörst Du in dieser Situation, was spürst Du, was riechst Du, was schmeckst Du…und indem wir beginnen, mit diesen Eindrücken zu arbeiten, können wir Veränderungsprozesse hervorrufen – indem wir zum Beispiel Farben intensivieren oder eine mit Angst besetzte Situation schwarz-weiß werden lassen, indem wir Geräusche leiser drehen, Bewegungen verlangsamen oder schneller machen. Klingt verrückt, funktioniert aber! Wir konditionieren uns neu – mit Hilfe der 5 Sinne, der VAKOG!

Oder frei nach Pippi Langstrumpf: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!“ 

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