ABC der Hypnose – „Blickfixation“

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In der Hypnose gibt es zahlreiche Begriffe, die viele Menschen gar nicht verstehen, weil sie nicht professionell mit der Hypnose arbeiten oder anderweitig damit zu tun haben – wie zum Beispiel die „Blickfixation“. Wikipedia ist natürlich eine Möglichkeit, sich zu informieren oder jedes andere Lexikon. Überhaupt bietet das Internet ja zahlreiche Möglichkeiten, sich zu informieren.

Ich habe Lust, für die Menschen, die zu mir kommen, die Begriffe auf meine Art und Weise zu erklären.

Dabei erhebe ich nicht den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit oder gar Vollständigkeit. Von Zeit zu Zeit erweitere ich die Liste von Begriffen und beschreibe, wie sie mir in meinem Arbeitsalltag begegnen. Ich hoffe, damit Neugierige abzuholen und Wissbegierigen einen Startpunkt für die Auseinandersetzung mit der Hypnose zu bieten.

Auf geht’s also in  die zweite Runde des ABC der Hypnose – meinem persönlichen Lexikon für Sie!

Heute  mit dem Begriff „Blickfixation“

Blickfixation bedeutet zunächst ganz einfach, dass der Blick fest auf einen Punkt gerichtet wird und damit verbunden, also fixiert, bleibt. In der Hypnose wird die Blickfixation zur Einleitung der Trance genutzt. Dabei kann man zwischen der starren Blickfixation und der bewegten Blickfixation unterscheiden.

Starre Blickfixation

Bei der Einleitung der Hypnose mit Hilfe der starren Blickfixation wird der Klient gebeten, einen festen Punkt – zum Beispiel einen Fleck an der Decke oder die Fingerspitze des Hypnotiseurs oder eine Lichtquelle  – anzusehen, möglichst ohne mit den Wimpern zu zucken. Die Folge ist, dass die Augenmuskulatur , die Lidmuskeln, sehr schnell ermüden und der Suggestion „Und nun schließ die Augen und gehe immer tiefer in eine angenehme Trance…“ gerne Folge geleistet wird. Die Ermüdung unterstützt also das Eingehen der Trance.

Bewegte Blickfixation

Ein auf ein Pendel starrender Mensch:  dieses Bild verbinden die meisten Menschen mit Hypnose.

Dabei haben wir es mit einer klassischen bewegten Blickfixation zu tun. Der Blick des Klienten ist fixiert auf das Pendel. Das Pendel schwingt hin und her, und somit bewegen sich auch die Augen des Klienten hin und her. Ob die Bewegung durch ein Pendel verursacht wird oder durch das Fixieren des Blicks auf die schwenkenden Finger eines Menschen, ist egal.

Was aber passiert im Gehirn durch diese bewegte Blickfixation?Und warum ist dieser Vorgang für therapeutische Zwecke nützlich?

Diese Fragen sind noch nicht bis ins letzte Detail wissenschaftlich geklärt, aber es gibt immerhin schon einige Erkenntnisse: so  kann man die bewegte Blickfixation in etwa mit den Traumphasen im Schlaf vergleichen – den sogenannten REM-Phasen („Rapid Eye Movement“, „schnelle Augenbewegung“), in denen sich die Augen unter den geschlossenen Lidern schnell und deutlich sichtbar hin und her bewegen – nur dass der Klient während der Hypnose nicht schläft, sondern wach ist!

Während  der Augenaktivität ist der Großteil der Muskeln beinahe lahm und Außenreize erreichen das Bewusstsein nicht mehr. Der neurobiologische Zustand verändert sich. Traumbilder entstehen.

Dieser Bewusstseinszustand erlaubt es einem Hypnotiseur oder auch EMDR-Therapeuten, am rationalen Großhirn-Denken des Klienten vorbei Einfluss zu nehmen auf das limbische System, auf die Amygdala, die für die Bewertungen von Situationen verantwortlich ist. Unter anderem gleicht die Amygdala dafür in Bruchteilen einer Sekunde  alle Eindrücke mit den Erfahrungen ab, die wir bereits gemacht haben. Erst danach wird die Information ans Großhirn, das bewusste Denken weitergeleitet.

Durch die bewegte Blickfixation kann also ein Zustand hervorgerufen werden, in dem man an das herankommt, was „unter dem Bewussten“ liegt und kann Neu-Bewertungen vornehmen!

 Gelingt es dann zum Beispiel, eine zuvor angstbesetzte Situation (Lampenfieber, Flugangst…) umzubewerten in einen positiven Sinneseindruck, wird die Amygdala zukünftige Eindrücke an der „neuen“  Situation abgleichen. So kann eine ursprünglich mit Angst besetzte Situation positiv aufgelöst werden und der Anblick eines Flugzeugs verursacht keine Ausschüttung von Stresshormonen ans Großhirn mehr sondern vielleicht Vorfreude auf den Urlaub…

Quellen:

Infos zu Schlaf-und REM-Phasen

Infos zu EMDR

Infos zu Wingwave

Infos zur Rolle der Amygdala

Und hier geht’s weiter zu den Begriffen Induktion und Fraktionierung.

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